Stiftung GegenStand
Jul 6th, 2008 by admin
Eine kleine Geschichte …
Die politische Geschichte der bundesdeutschen Linken, auch der Wissenschaftslinken, kennt viele gescheiterte, aber auch einige wenige dauerhafte Projekte – Institute, Organisationen oder Medien. Ihre Perspektiven sind durchweg ungewiss. Zwei Kernprobleme gibt es hierbei: eine dauerhafte Kapitalbasis und politische Unabhängigkeit. Um beide gemeinsam zu lösen, haben elf Gründerinnen und Gründer das notwendige Mindestkapital von 25000 € zusammengetragen und eine Stiftung gegründet. Die Stiftung GegenStand hat ihren Sitz in Marburg, wurde am 23.2.1999 vom Regierungspräsidium Gießen genehmigt und ist wenig später als gemeinnützig anerkannt worden. Sie hat eine Satzung (.rtf).
Wer sich mit einem einmaligen Mindestbetrag von mindestens 250 € an der Stiftung beteiligt und die Satzung der Stiftung akzeptiert, wird Mitglied des Kreises der StifterInnen – wozu wir herzlich einladen. Die Versammlung der Stifter benennt den Stiftungsbeirat, dieser widerum bestellt den Vorstand. Letzterem gehören gegenwärtig an Johannes Klotz und Rainer Rilling.
Die Arbeit der Stiftung finanziert sich durch die Erträge aus dem Stiftungskapital und aus Spenden für laufende, spezifizierte Projekte. Die Erhöhung des Stiftungskapitals geschieht durch Zustiftung. Beides sind steuerlich abzugsfähige Zuwendungsformen.
Eingreifende und dauerhafte Operationsfähigkeit verlangt mehr Kapital – doch, wer, wie nicht wenige, beträchtliche Lebenszeit mit aktivem Warten auf die Beseitigung des Kapitalismus oder des Patriarchats verbracht hatte, sollte auch die aktive Zeit bis zum Erreichen eines ertragreichen Kapitalminimums locker aushalten können.
Warum eine Stiftung?
Stiftungen haben drei Vorteile: sie garantieren nach Maßgabe des Weltmarktes ein autonomes Einkommen, das hier angelegte Kapital wird durch politische Projekte nicht einfach laufend konsumiert und ist dann – wie die Politik – Geschichte und sie eröffnen eine langfristige Perspektive für die politischen Projekte, für die sich viele von uns nicht selten ihr politisches Leben lang engagiert haben.
Stiftung meint die Gewissheit, dass unser politisches Anliegen zukunftsfähig ist, dass Viele dazu beitragen können und dass ein Ort benötigt wird, der uns überleben wird. Eine Stiftung ist eine Aktion in der Zeit, ein Versuch, Ressourcen der Veränderung auf Dauer zu stellen. Eine Stiftung ist ein Vermächtnis – ein Verein oder ein wissenschaftliches Institut haben sicher Geschichte und normativ wirksame Traditionen, aber kein Vermächtnis. Das Vermächtnis besteht in der materiellen Ermächtigung der Verwirklichung einer Idee, eines Zwecks. Es sind vor allem die Gründer und Gründerinnen sowie die Zustiftenden, die diesen Zweck bestimmen und über ihn verfügen. Die Veränderung des Stiftungungszwecks ist bewußt rechtlich erschwert, damit der Grundgedanke einer Stiftungskonstruktion – eine Idee und ihre Wirksamkeit dauerhaft zu sichern – Bestand hat. Stiftungen sind also konservative, zeitresistente Unternehmen, somit Einrichtungen mit einem selbstbewußten Anspruch. Sie unterstellen, dass Stiftungszweck oder Stiftungsidee eine Zukunft haben. Eine Stiftung ist ein optimistisches Projekt, es geht nicht um einen lebensgeschichtlichen
Ideenschlussverkauf, sondern um ein Vorhaben von Menschen, die davon überzeugt sind, dass ihre Sache Zukunft hat. Daher rührt ihr Engagement.
Eine linke Wissenschaftsstiftung
Die Stiftung, um die es hier geht, ist entsprechend dem GründerInnenkreis eine Wissenschaftsstiftung. Im § 2 der Satzung heisst es: “Zweck der Stiftung ist die Förderung wissenschaftlicher, insbesondere sozial-, erziehungs-, geschichts- und kulturwissenschaftlicher Vorhaben, die geeignet sind, den Zusammenhang von Wissenschaft, Gesellschaft, Natur und Politik ins Bewusstsein zu rufen.” Konkret geht es nach der Verständigung der bislang Beteiligten um den Aufbau und die Pflege einer linken Wissenschaftsstiftung. Der Name Stiftung GegenStand ist kein Marketingevent, sondern simples Programm: es geht um Wissenschaft (“Gegenstand”) und die damit gebotene methodische und normative Anstrengung, es geht zugleich auch um die Erarbeitung von im Zweifel widerborstigen Standpunkten: gegenStand!
Bankverbindung: SPK Marburg – Biedenkopf Kt. 1010040856 BLZ 53350000 | Kontakt: Rainer Rilling – rillingr@staff.uni-marburg.de