Villa Rossa 2019: Stadt. Und Land.

Die 17. Villa Rossa findet vom 24. August (Anreise) bis zum 31. August 2019 (Abreise) in der Villa Palagione Centro Interculturale – Associazione culturale bei Volterra statt . Ihr Thema: Stadt. Und Land.

In einer schon Anfang März 2019 veröffentlichten Analyse der Deutsche Bank Research wurde davon ausgegangen, dass der rasante Preisanstieg für Immobilien und Mieten in Deutschland noch bis zum Jahre 2022 und darüber hinaus anhalten könnte. Begeistert wurde für Berlin ein „Superzyklus“ vorausgesagt. Ein Superzyklus ganz anderer Art findet schon statt: zehntausende Mieter*innen protestieren. Kaum eine nennenswerte Stadt ohne Mieter*innenintiative. In zahlreichen Städten wie Freiburg, Frankfurt und Berlin ging oder geht es um Bürgerentscheide. Der Widerstand gegen das Bauen scheint riesengroß geworden zu sein. Wohnungs- und Bodenfrage sind zurück. In Berlin tauchte plötzlich das Thema Enteignung der Immobilienkonzerne auf. Ob von der Bodenfrage, dem Grundeigentum oder einer neuen Landnahme die Rede ist: die Operationen des hier Anlage suchenden Kapitals zeigen, dass die Fragen der öffentlichen Daseinsvorsorge, eines neuen Sozialstaats, der Klimakrise, der profanen -zig-Milliarden schweren einschlägigen Wirtschaftskriminalität oder der sozialen Polarisierung mittlerweile von dieser Entwicklung immer stärker beeinflusst werden. Wohnen und Stadtentwicklung werden mehr denn je zu einem politischen Schlüsselthema. Wir haben einige Themenfelder zusammengetragen, aus denen wir im Verlauf der Seminarwoche Aspekte herausgreifen wollen:

Die Themen des Villa-Rossa-Seminars 2019 sind:

  • Stadt im Kapitalismus
  • Arbeit & Stadt I+II
  • Rechte Räume & Städte
  • Patriarchale Stadt
  • Mobilität Macht Stadt
  • Venedig: Stadt mit Maut
  • Städte im Vergleich. Notizen zu (Amsterdam, Barcelona, Wien und Berlin.)
  • Und? Land!
  • Wohnungsfrage und -kämpfe
  • Enteignung-eine Zwischenbilanz
  • Welche Zukunft will die gesellschaftliche Linke für die Städte?
  • Städtische Bewegungen heute?

Wir haben 13 Referent*innen gewonnen, die dieses Jahr den – ziemlich langen – Weg in die Villa Rossa nehmen werden:

Bernd Belina, Prof. Institut für Humangeographie, Frankfurt | Susanna Böhme-Kuby, Dr., Autorin Blätter, Ossietzky u.v.a.m., Venedig | Jürgen Bönig, Dr., Technikhistoriker, Hamburg; | Andrea Röpke Journalistin und Autorin | Marianne Kolter  LINKE-Vorstand-Sprecherin Schleswig—Holstein | Winfried Wolf, Dr., Chefredakteur Lunapark, Berlin | Katalin Gennburg, MdL Die LINKE Berlin | Jenny Künkel, Dr. wiss. Mitarbeiterin HU Berlin | Stefan Thimmel, Wiss. Mitarbeiter RLS Berlin | Peter Hauck-Scholz, Dr., Anwalt, Marburg | Andrej Holm, Dr., Wiss. Mitarbeiter HU Berlin | Hans-Jürgen Urban, PD Dr. phil. habil., Wiss. Mitarbeiter Jena, geschäftsf. Mitglied des Vorstandes der IG Metall, | Margit Mayer, Prof. Dr. (A.D.), Politikwissenschaftlerin am John-F.-Kennedy-Institut für Nordamerikastudien der FU Berlin.


Programm / Texte + Literaturhinweise / Personen

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Näheres zum von der Stiftung GegenStand und dem ver.di-Bildungswerk Hessen in Kooperation getragenen Projekt der „Villa Rossa“ hier: http://www.s-gs.de/wordpress/?page_id=964 . Zur besseren Veranschaulichung dort auch knapp 800 Fotos der Villa, die im Verlauf der 17 Seminarjahre durch glückliche Mitwirkende entstanden. Teilnahmekosten für den einwöchigen Aufenthalt (Seminar u. Halbpension) liegen pro Person bei ca. 600 bis 800 € (ohne Reisekosten); dabei sind neben der Unterkunft der Transfer am An- und Abreisetag (Sa/Sa) zwischen Volterra und der Villa, die Halbpension, die Gemeinkosten (Seminarräume und -ausstattung incl. Technik,) Getränke im Seminarraum und WLAN enthalten, nicht aber Kosten, die nach Kopfzahl abgerechnet werden wie etwa Transfers, thematische Exkursionen o. ä. Wir raten vor allem aus Kostengründen zu einer frühen Anmeldung bzw. Buchung (Flüge nach Pisa / Florenz, oder die Bahn). Viele fahren mit der Bahn nach Florenz und nehmen für das letzte Teilstück den ÖPNV oder einen wenigstens einen gemeinsamen Leihwagen. Infos und Empfehlungen in Sachen Anreise gibt es auf der Website der Villa, wir versuchen auch als Veranstalterin zu helfen. Wir gehen davon aus, dass die Veranstaltung wie in den Vorjahren als Bildungsurlaub anerkannt wird und bemühen uns entsprechend. Die Veranstaltung wird dankenswerterweise von der Rosa Luxemburg Stiftung gefördert. Wir freuen uns, Euch auf der 17. „Villa Rossa“ zu sehen! Nähere Informationen per Mail bitte bei Godela Linde (Mail godelalinde@gmx.de  ) oder Rainer Rilling (Mail: rilling@outlook.de ).

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Programm der Villa Rossa 2019 – Stadt. Und Land. Themen | Texte | Leute

Montag, 26.8.2019

Vormittag 9.30-12.30

9.30-10.00 Vorstellungsrunde

10.00-12.30: Stadt im Kapitalismus.
Bernd Belina

Zum Thema: Stadt ist nicht nur gebaute Umwelt, aber Stadt wäre nichts ohne gebaute Umwelt, also durch Gebäude, Infrastrukturen etc. Durch sie zirkulieren gewaltige Kapitalmengen. Ich skizziere, wie das Kapital durch die gebaute Umwelt zirkuliert, dass und warum dabei Blasen entstehen, die regelmäßig große Krisen auslösen, und zur Illustration zeige ich Urlaubsbilder.

Literatur:
Belina, Bernd (2018): Wenn Geldkapital eine sichere Bank sucht. Theorie und die politökonomischen Grundlagen der aktuellen Wohnungsfrage in Deutschland. PROKLA 48(2): 187-203.
Heinz, Werner & Bernd Belina (2019): Die kommunale Bodenfrage. Hintergrund und Lösungsstrategien (= Rosa Luxemburg Studien). Berlin

Zur Person: Bernd Belina ist Prof. am Institut für Humangeographie, Frankfurt. Ergänzende Angaben.

Nachmittag 15.30-18.30

15.30-16.50:

Türkisches Gemüse, Johann Heinrich von Thünen und wie im 20. Jahrhundert die in der Landwirtschaft Tätigen in Lohnarbeiter in der Stadt verwandelt wurden – am Beispiel Spanien, Portugal, Griechenland, Türkei in und außerhalb der europäischen Gemeinschaft. Mit Bezug auf das Buch von  John Berger und Jean Mohr „Der siebte Mensch. Eine Geschichte über Migration und Arbeit in Europa“ (1975 | 2016).

Jürgen Bönig

Literatur: John Berger und Jean Mohr „Der siebte Mensch. Eine Geschichte über Migration und Arbeit in Europa“. London / Frankfurt 1975 / 2017. Mit einem neuen Vorwort von John Berger.
Jürgen Bönig: Türkisches Gemüse,   in: Lunapark 21-45 (2019) S. 13f.

Zur Person: Nach 28 Jahren Arbeit als Technikgeschichtler im Museum der Arbeit in Hamburg, wo er zahlreiche ­Ausstellungen und Veröffentlichungen insbesondere zum grafischen Gewerbe und zur ­Mobilität organisierte und seit 2016 für den Vorstand der Stiftung Historische ­Museen Hamburg tätig war, ist er jetzt pensioniert. Jetzt engagiert er sich u. a. mit Winnie Wolf an der lunapark21. Sein 2017 erschienenes Buch „Karl Marx in Hamburg, Die Produktion des „Kapital““beim VSA:Verlag ist ausverkauft (und wird hoffentlich wieder aufgelegt).

17.10-18.30:

Völkische Landnahme. Alte Sippen, junge Siedler, rechte Ökos.
Andrea Röpke

Zum Thema: Sie pflegen Gutshöfe in der niedersächsischen Heide, kaufen Anwesen in mecklenburgischen Gemeinden, betreiben ein Rittergut und Landschlösser in der sachsen-anhaltinischen Provinz, bewirtschaften Bauernhöfe im sächsischen Freistaat oder hüten Kinder in Ostwestfalen. Seit Jahren siedeln sich junge Rechtsextreme bewusst in ländlichen Regionen an, um dort generationsübergreifend »nationale Graswurzelarbeit« zu betreiben. Dieser unauf­fällige Aktionismus ist gegen die moderne und liberale Gesellschaft der Großstädte gerichtet, es herrschen alte Geschlechterbilder und autoritäre Erziehungsmuster vor. Die Aussteiger von rechts betreiben ökologische Landwirtschaft, pflegen altes Handwerk und nationales Brauchtum, organisieren Landkaufgruppen und eigene Wirtschaftsnetzwerke, die bundesweit agieren. Sie bringen sich in örtlichen Vereinen ein und gehen in die lokale Politik, um Umweltschutz mit »Volksschutz« zu verbinden und eine angebliche »Überfremdung« zu verhindern . „Pioniere gesucht!“ wirbt die sogenannte Neue Rechte in der Bundesrepublik. Gesucht werden junge kinderreiche deutsche Familien zum Siedeln auf dem Lande. Doch auch in den Städten sollen Szene-Treffpunkte und Bastionen entstehen. Mittels „Strukturprojekten“ wie „Schanze Eins“ oder dem „Projekt Landraum“ schließen sich Gruppen wie die Identitäre Bewegung oder Ein Prozent für unser Land dem Versuch klassischer Rechtsextremer der völkischen Landnahme an. Hunderte Objekte befinden sich bereits in ihrer Hand. Die Szene ist professioneller  geworden, sie koordiniert spendenwillige Nationalisten und Aufbauwillige. Am Beispiel Mecklenburgs und der Lüneburger Heide lässt sich aufzeigen, wie der hochpolitische private Alltag rechter „Sippen“ aussieht.

Literatur:
Gemeinsam mit Andreas Speit: Völkische Landnahme, Alte Sippen, junge Siedler, rechte Ökos. Juni 2019, 208 S., Ch. Links Verlag 18.- €
Nazis tanzen in der Scheune , in: TAZ v. 17. 09. 2016

Ergänzende Hinweise: das Thema Stadt von rechts?  ist in jetzt der online -Zeitschrift sub/urban 1/2 (2019) erschienen. Die Nr. 235 (2019) Zeitschrift „arch+. Zeitschrift für Architektur und Urbanismus“ befasst sich auf 240 Seiten mit „Rechte Räume. Bericht einer Europareise“, ist jedoch nicht online zugänglich und kostet 22 €. Dort findet sich auch der Beitrag von  Andrea Röpke und Andreas Speit: Völkische Landnahme. 

Zur Person: Andrea Röpke ist Politikwissenschaftlerin und freie Journalistin, Schwerpunkt Rechtsextremismus, Veröffentlichungen u. a. für den WDR, in der taz und bei Süddeutsche Online sowie in Fachportalen wie Blick nach rechts und zahlreichen Büchern, mehrere Auszeichnungen, darunter »Das unerschrockene Wort« (2009) und »Journalistin des Jahres« (Kategorie Politik, 2011), Paul-Spiegel-Preis für Zivilcourage (2015), Otto-Brenner-Preis (2017).

Dienstag, 27.8. 2019

Vormittag 9.00 – 13.00

9.00-10.30:

Die Patriarchale Stadt.
Jenny Künkel

Zum Thema: Der Beitrag plädiert für eine intersektionale Perspektive – also eine, die verschiedene Macht- und Herrschaftsverhältnisse wie Kapitalismus, Geschlechterverhältnisse oder Migrationsregime berücksichtigt. Thematisch stellt er dennoch exemplarisch Geschlecht in den Mittelpunkt. An Beispielen zeigt er auf, dass urbane Geschlechterverhältnisse nicht DIE Frau unterdrücken, sondern Frauen sowohl gegenüber Männern hierarchisch positionieren, als auch untereinander spalten, z.B. entlang mehr oder weniger hegemonialer Sexualitäten, Ethnien, Klassen oder dis‑/abilities oder unterschiedlicher Rechtspositionen (v.a. Aufenthaltsstatus). Manche Positionierungen und Interessen sind anschlussfähiger an die heutige – neoliberalisierte – Stadt als andere und können sich in besser durchsetzen. Dies zeigt sich in so unterschiedlichen Feldern wie der Stadtplanung, die feministische Kritiken meist nur in „weichgespülter“ Form als Gender Mainstreaming oder Diversity berücksichtigt. Sie setzt z.B. eher Sicherheitskonzepte, die oft weiß-deutsche Mittelschichtsfrauen privilegieren, oder Forderungen nach kurzen Wegen und Nutzungsoffenheit um, als Wohnraum für einkommensarme Alleinerziehende zu schaffen. Die Spaltungstendenzen manifestieren sich auch darin, wie unterschiedlich differente Gruppen von Sexarbeiterinnen adressiert werden: Während die neoliberalen Stadt das sichtbare Elend Drogenkonsumierender und der Migrantinnen, die aus dem Wohlfahrtsstaat gedrängt werden, zugleich produziert und als Störfaktor poliziert, werden die weniger mit Elend verknüpften Bereiche des Sexgewerbes in das Stadtmarketing einbezogen. Die Spaltungen zeigen sich aber auch darin, welche feministischen Forderungen in einer weiteren Stadtpolitik Furore machen: Beispielsweise waren nach der Silvesternach 2015 in „Köln“, und vorbereitet durch #aufschrei und nachbereitet durch #metoo, Geschlechterverhältnisse auf Sexismus reduziert, und z.T. mit Rassismus vermengt, Thema. Andere Dauerbrenner wie weibliche Armut oder ausbeuterische Frauenarbeit schaffen es selten auf die Agenda. Der Beitrag stellt sicher nicht alle, aber einige solcher Felder, in denen verschiedene Machtverhältnisse zusammenkommen, vor und zur Diskussion.

Literatur:

Frank, Susanne (2017): Stadt-, Raum- und Geschlechterforschung: Theoretische Konzepte und empirische Befunde. In: Handbuch Interdisziplinäre Geschlechterforschung (2017): 1-11.
Wucherpfennig, Claudia & Fleischmann, Katharina (2008).
Und für tiefergehend interessierte: Feministische Geographien und geographische Geschlechterforschung im deutschsprachigen Raum. In: ACME: An International E-Journal for Critical Geographies, 7 (3), 350-376.
Und als Hinweis aus dem englischsprachigen Raum: Peake, Linda (2009): “Urban Geography: Gender in the City”. In Kobayashi, A. (ed.) The International Encyclopedia of Human Geography. London: Elsevier.
Huning, Sandra (2014): “Deconstructing space and gender? Options for gender planning”. In: Les cahiers du CEDREF 21/2014
Oswin, Natalie (2008): “Critical geographies and the uses of sexuality: Deconstructing queer space.” Progress in Human Geography 32(1): 89-103.

Zur Person: Jenny Künkel ist kritische Stadtforscherin und Aktivistin, sie promovierte über Sexarbeit in der neoliberalen Stadt an der Goethe Universität Frankfurt und arbeitet am Geographischen Institut der Humboldt-Universität zu Berlin. Schwerpunkte: Stadtpolitik, Marginalisierungsprozesse, Polizieren, Sex, soziale Bewegungen.

11.00-12.30: Namen in der Stadt. Das Beispiel Marburg wg. Wien:
Godela Linde

Zum Thema: Die unendliche Geschichte: Straßennamen und Geschlecht – am Beispiel Marburg

Zur Person: Mitbegründerin der Stiftung gegenStand, nach Jahrzehnten im gewerkschaftlichen Rechtsschutz (zuletzt im Centrum für Revision und Europäisches Recht) nun Anwältin, Autorin,  Referentin und Rentnerin.
Zuletzt publiziert:  Kollege Weinstein: Sexuelle Übergriffe am Arbeitsplatz, in: Blätter für deutsche und internationale Politik 8/2019 S.17-20; Marburg rauf und runter Stadtspaziergänge durch Geschichte und Gegenwart, 3. Aufl. 2018; Sexuelle Belästigung ist unerwünscht, in: Arbeit und Recht 3/2018 S.123-128; Basta! Gegen sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz, Köln 2015. Manteltarifvertrag für die Arbeitnehmer / innen im Hessischen Einzelhandel Kommentar für die betriebliche Praxis 2015.

Literatur: Marburg rauf und runter Stadtspaziergänge durch Geschichte und Gegenwart, 3. Aufl. 2018 , Abschnitt „Marburger Frauen – deutlich unterrepräsentiert“ (6 S.). Zuletzt: 

Nachmittag 15.30 bis 18.30

15.30 – 16.50: Mobilität * Macht * Stadt. Winnie Wolf

Literatur:
Mit dem Elektroauto in die Sackgasse. Warum E-Mobilität den Klimawandel beschleunigt, Promedia, Wien 2019
Lunapark21 Heft 45: Sackgasse E-Auto
„Elektromobilität ist grün und richtet sich gegen die traditionelle Öl- und Autoindustrie“ [Lunapark 21 hat 7 Beiträge zum Thema „mit dem elektroauto in die Sackgasse“ und ist für 6.50 € zu haben.]

Zur Person: Winfried Wolf ist Herausgeber der Vierteljahreszeitschrift Lunapark21 , -> www.lunapark21.net; (Zeitschrift zur Kritik der globalen Ökonomie) und der Zeitung gegen den Krieg  

17.10. – 18.30: Welche Zukunft will die gesellschaftliche Linke für die Städte? Die neoliberale Smart City ist es nicht.
Katalin Gennburg

Zum Thema: In den vergangenen Jahren haben große IT-Konzerne das Paradigma der „Smarten Stadt“ etabliert. Das Versprechen dabei ist letztlich, dass durch digitale Services für die Bürgerinnen und Bürger vieles einfacher werden soll, Ressourcen eingespart werden können und die Stadt effizienter verwaltet werden kann. Aber bei Smart City geht es vor allem um ein Geschäftsmodell für große Konzerne wie Google, Cisco und IBM. Wie ist es möglich, eine smarte Stadt für alle zu schaffen, von der die Mehrheit der Menschen in dieser Stadt profitieren und was passiert längst bei den Graswurzelinitiativen in puncto digitale Selbstermächtigung? Wie können wir eine Demokratisierung der städtischen, digitalisierten Infrastrukturen sicherstellen und zu einem digitalen Infrastruktursozialismus kommen? Wie sieht eine linke Vision der Stadt der Zukunft aus? 

Zur Person: 2010 B.A. Kultur & Technik/ Wissenschaftsphilosophie; 2014 M.A. Historische Urbanistik am Center for Metropolitan Studies, TU Berlin. 2010-2014 Tutorin am Fachgebiet Stadt- und Regionalsoziologie an der TU Berlin. 2014-2016 wissenschaftliche Mitarbeiterin bei MdA Katrin Lompscher (Die Linke). Seit 2002 Mitglied der Partei Die Linke. Seit 2016 Mitglied des Parteivorstandes von Die Linke. Seit 2017 Sprecherin der Bundesarbeitsgemeinschaft Städtebau- und Wohnungspolitik bei Die Linke. Mitglied des Abgeordnetenhauses seit 2016.
Sprecherin für Stadtentwicklung, Tourismus und Smart City Mitglied bei Verdi; Mitglied bei VVN BdA; Mitglied der Bürgerinitiative Treptower Park; Alumna der Rosa Luxemburg Stiftung

Mittwoch 28.8. 2019
Beginn um 8.30 bzw. 9.00

Donnerstag 29.8.2019

Vormittag 9.30 – 13.00

09.30-11.00: Kommunalpolitik und die Perspektiven für ländliche Räume.
Marianne Kolter.

Zur Person: Marianne Kolter ist Landessprecherin der LINKEN Schleswig-Holstein und stellv. Fraktionsvorsitzende der LINKEN Fraktion im Kreistag Pinneberg.

Literatur: Bundesministerien des Inneren, für Bau und Heimat, für Ernährung und Landwirtschaft, Familie, Senioren, Frauen und Jugend:  Unser Plan für Deutschland – Gleichwertige Lebensverhältnisse überall, Berlin 2019 sowie diess. : Deutschlandatlas.
Deutscher Landkreistag:  Stark in der Fläche. Entwicklungsbedingungen und Potenziale in den Landkreisen, Berlin 2013
Patrick Küpper / Jan Cornelius Peters, Entwicklung regionaler Disparitäten hinsichtlich Wirtschaftskraft, sozialer Lage sowie Daseinsvorsorge und Infrastruktur in Deutschland und seinen ländlichen Räumen, Thünen Report 66, Braunschweig 2019
Werner Nell / Marc Weiland (Hg), Dorf – Ein interdisziplinäres Handbuch,  Berlin 2019
Clemens Renker, Das neue Dorf, Gestalten, um zu Überleben. Vier Handlungsfelder zum Erhalt dörflicher Gemeinden, Wiesbaden 2018 

11.30-13.00: Venedig: Tourismus – was sonst? Susanna Böhme-Kuby

Zum Thema: Mein Beitrag wird die Bedingungen der touristischen Monokultur in Venedig in den Fokus nehmen, die sich nicht nur an politischen Entscheidungen festmachen lassen, sondern in der ökonomischen Transformation des gesamten Kontextes der Lagunenstadt begründet sind .

Literatur:
Die letzte Gondel, in: Der Freitag v. 27.03.2010
Wahlen in Venedig, in: Ossietzky 11/2015
Venedig versinkt in seiner Zukunft, in: Ossietzky 14/2015
Die Welt im Selfie, in: Ossietzky 10/2018
Die Schiffsschlacht um Venedig, in: in: Ossietzky 8/2014
Venedig im Ausverkauf: Von der Serenissima zur Benettown, in: Blätter für deutsche und internationale Politik 9/2013

Zur Person: Susanna Böhme-Kuby, Publizistin und Literaturwissenschaftlerin, lebt seit Jahrzehnten in Italien (Venedig), wo sie über “Brecht in Italien” promovierte und Deutsche Literaturgeschichte lehrte. Sie schreibt u.a. im Freitag, den Blättern für deutsche und internationale Politik und Ossietzky.

Nachmittag 15.30-18.30

15.30-16.50: Enteignung und Sozialisierung – eine Reflexion
Peter Hauck-Scholz

Zum Thema: Ein Versuch, Licht in das juristische Dunkel um den ersten Versuch eines Sozialisierungsprojektes in Deutschland zu bringen.

Literatur:
Quellen:   BVerfGE 87, 114,146ff.;  BVerfGE 50, 290, 336ff.; BVerfGE 37,132,140ff.; BVerfG v. 22.11.1994
Positionen: Andreas Fisahn: Das Schreckgespenst der Sozialisierung und was das Grundgesetz dazu sagt. In: Sozialismus 7-8/2019 S. 40-43
Reiner Geulen: Rechtliche Stellungnahme: Volksentscheid zur Vergesellschaftung großer Wohnimmobilien in Berlin. Erstattet im Auftrage der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen Berlin, November 2018
Volker Vorwerk: Stellungnahme, Karlsruhe November 2018. [Das mit Abstand beste Gutachten zur Rechtslage des Sozialisierungsprojektes.] Der Verfasser ist Rechtsanwalt beim BGH
Senat der Stadt Berlin: Beschluß Senatsbeschluss_Eckpunkte_Mietengesetz zum „Mietendeckel“ (2019) und Maximal 7,97 Euro pro Quadratmeter Mieten in Berlin sollen drastisch gedeckelt werden.

Zur Person:
Peter Hauck-Scholz, 79, ist Rechtsanwalt in Marburg und als Fachanwalt für Arbeitsrecht und für Verwaltungsrecht auch im  Staats- und Verfassungsrecht spezialisiert. Er war in zahlreichen politisch relevanten Prozessen u.a. in Sachen Volkszählung, „Abwicklung“ von Institutionen und Personen der DDR, Hochschulzulassung, Studiengebühren, Beobachtung durch den Verfassungsschutz (Ramelow) involviert; zahlreiche Veröffentlichungen.

17.10-18.30: Wohnungsfrage: Vom Protest zum Programm – Strategien und Instrumente für eine soziale Wohnversorgung.
Andrej Holm

Zum Thema:

Die Mieterproteste in Berlin und anderen Städten haben die Wohnungsfrage zurück auf die politische Agenda gesetzt. Vor allem in den großen Städten vergeht kaum ein Tag, an dem nicht über neue Konflikte im Bereich der Wohnungsversorgung berichtet wird. In vielen Städten stellen die Mieterinnen und Mieter inzwischen konkreten Forderungen: Milieuschutzsatzungen, Mietendeckel und Enteignung oder doch lieber Genossenschaftsförderung, Neue Wohnungsgemeinnützigkeit und kommunaler Wohnungsbau? Welche Strategien und Instrumente können dauerhaft eine soziale Wohnversorgung sichern? Ein Streifzug durch die wohnungspolitischen Suchbewegungen der letzten Jahre.

Literatur: Holm, Andrej; Schreer, Claus 2019: Mietpreis-Explosion und Wohnungsnotstand. Ursachen und Analysen. isw-Report 116/117. München: Institut für sozial-ökologische Wirtschaftsforschung e.V. (64 Seiten) [ Auszug]
Holm, Andrej; Horlitz, Sabine; Jensen, Inga 2017: Neue Wohnungsgemeinnützigkeit. Voraussetzungen, Modelle und erwartetet Effekte. Studie im Auftrag der Rosa-Luxemburg-Stiftung. luxemburg argumente 2017: Muss Wohnen immer teurer werden? Mythen und Behauptungen über Wohnen, Mieten, Kaufen; Barbara Dribbusch: Not in my Backyard (TAZ v. 13.6.19)

Zur Person: Andrej Holm ist Sozialwissenschafter und arbeitet als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Humboldt-Universität zu Berlin (Arbeitsbereich Stadt- und Regionalsoziologie), Seine Forschungsschwerpunkte sind: Stadterneuerung, Gentrification und Wohnungspolitik. Er ist seit Anfang der 1990er Jahre in Stadtteilgruppen und Mieterorganisierungen aktiv und mischt sich seit vielen Jahren in die Berliner Wohnungspolitik ein. Unter der rot-rot-grünen Landesregierung von Berlin war er 2016/17 kurzzeitig Staatssekretär in der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen.

Freitag 30.8.2019

Vormittag: 9.30-13.30

09.30-11.00: Arbeit und Stadt – eine vergessene Interdependenz in der Gentrifizierungsdebatte? Hans-Jürgen Urban

Zum Thema: Die seit geraumer Zeit intensiv geführten Debatten über die Wiederaneignung öffentlicher Räume am Beispiel der Stadt thematisieren vielfältige Dimensionen des sozialen Zusammenlebens. Initiativen wie „Recht auf Stadt“, „Eine Stadt für alle“, „Unser Kiez gehört uns“ usw. wenden sich vor allem gegen die Ökonomisierung städtischer Räume und die Verdrängung spezifischer sozialer Gruppen im Zuge einer immer aggressiveren Gentrifizierung. Fragen der sozialen Qualität des Zusammenleben und nach den Bedingungen eines individuellen „guten Lebens“ in der Stadt spielen zumeist eine gewichtige Rolle – Fragen der Arbeit im Allgemeinen und ihrer Bedeutung für die Stadtentwicklung oftmals keine. Das ist verwunderlich, ist die Erwerbsarbeit faktisch doch – trotz aller Kritik an der Arbeitsgesellschaft und der Zentralität von Arbeit – für die übergroße Mehrheit der Bevölkerung die Grundlage der materiellen Reproduktion und der sozialen Existenz. Der Beitrag fragt nach den Gründen für diese Leerstelle und versucht, einige der zentralen Interdependenzen zwischen kapitalistischer Erwerbsarbeit und gentrifizierender Stadtentwicklung auszuleuchten. Und er fragt nach dem Stellenwert einer arbeitsaffinen Stadtentwicklung in den Debatten der Linken.

Literatur: Richard Sennett (2018): Der Kampf um die Stadt, in: Blätter für deutsche und internationale Politik, H. 12, S. 78-91; sowie „Großstadt gestalten – Urbanität im Wandel.“ Der Architekturtheoretiker Wolfgang Sonne im Gespräch mit Jochen Rack; Deutschlandradio, Essay und Diskurs; sowie Dieter Läpple: Produktion zurück in die Stadt, in: Stadtbauwelt 211 / 2016, S. 23-29    

Zur Vertiefung: David Harvey (2013): Rebellische Städte. Vom Recht auf Stadt zur Urbanen Revolution. Berlin.

Zur Person: PD Dr. Hans-Jürgen Urban, geschäftsführendes Vorstandmitglied der IG Metall, Privatdozent an der Friedrich-Schiller-Universität Jena und Permanent Fellow am DFG-Kolleg „Postwachstumsgesellschaften“ an der Uni Jena.

11.30-13.00: Städtische Bewegungen heute. Margit Mayer

Zum Thema: das Referat kontextualisiert die aktuellen städtischen Bewegungen vor dem Hintergrund (mehrerer Schübe) neoliberaler Stadtentwicklung, die das Terrain für Mobilisierungen beeinflusst bzw. verändert haben. Auf die heutige Situation blickend, beschreibt es, welche Strategien & Aktionsformen nun dominieren, mit welchen Chancen, und welchen Schwierigkeiten.

Literatur:
Bareis, Ellen u.a., “Die Stadt in der Revolte,” Das Argument Nr. 289, 2010.
Mayer, M., „Soziale Bewegungen in Städten – städtische soziale Bewegungen“ in: Norbert Gestring, Renate Ruhne, Jan Wehrheim, eds. Stadt und soziale Bewegungen. Wiesbaden: VS-Verlag 2014, S.. 25-42
Mayer, M., „Urbane soziale Bewegungen in der neoliberalisierenden Stadt,“ sub\urban. zeitschrift für kritische stadtforschung, 1/ 2013 (Summer), S. 155-168
Mayer, M., “’Recht auf Stadt‘-Bewegungen in historisch und räumlich vergleichender Perspektive”  in: Andrej Holm/Dirk Gebhardt, Hg., Initiativen für ein Recht auf Stadt. Zur Theorie und Praxis städtischer Aneignungen. Hamburg: VSA Verlag, 2011, 53-77.

Zur Person: Margit Mayer,  Prof. Dr. (A.D.),  Politikwissenschaftlerin am John-F.-Kennedy-Institut für Nordamerikastudien der FU Berlin. Ergänzende Angaben.

13.00-13.30 Abschließende Runde

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