2014

„Europa zerfällt?“

Programm / Texte / Biografische Hinweise

25.8. Montagvormittag (Beginn: 9.30)

 

Frank Deppe: „Zerfällt Europa?“
Über die Krise, über die Resultate der Europawahlen, über historische Konzepte der europäischen Einigung sowie über die Global-Player-Strategien, die beim Krisenmanagement unter deutscher Führung im Mittelpunkt stehen.

Text:
Frank Deppe: Probleme der politisch-strategischen Positionierung der Linken in der Eurokrise, in: Das Argument 301 S. 167 – 180.

Zur Person:
Prof. Dr. Frank Deppe, Jahrgang 1941, Professor em. für Politikwissenschaft Philipps-Universität Marburg Funktionen: VD Hans-Boeckler-Stiftung; Mitglied im Vorstand der Rosa-Luxemburg-Stiftung, Beirat der Partei Die Linke / Hessen; Mitherausgeber der Zeitschriften „Sozialismus“ (Hamburg) und „Z. Zeitschrift marxistische Erneuerung“ (Frankfurt / Main); Mitglied des Vorstandes der wissenschaftlichen Vereinigung „Wissenstransfer“. letzte Veröffentlichungen: Politisches Denken im 20. Jahrhundert (5 Bände, VSA-Verlag, Hamburg, 1999 – 2010); Notstand der Demokratie (zusammen mit Horst Schmitthenner und Hans-Jürgen Urban, VSA-Verlag Hamburg 2008); Imperialismus, papyrossa 2011 (mit Ingar Solty und Davids Salomon); Gewerkschaften in der Großen Transformation, papyrossa 2012; Autoritärer Kapitalismus, VSA-Verlag 2013; Niccolò Machiavelli, papyrossa 2014.

25.8. Montagnachmittag (15.30)

Gerd Wiegel: Europa-Diskurse und Politiken von rechts

Zur Tradition der Zerfallsdiagnostiken von rechts; Skizze der Wand-lungen des rechten Antieuropäismus / Rechtspopulismus – Extreme Rechte (Strategische Transformationen in Frankreich, der Schweiz, Italien, Österreich, Schweiz, Holland, Ost- und Nordeuropa…)

Texte
Gerd Wiegel: Die Rechte in Europa auf dem Vormarsch, in: Z 1/2014

Zur Person
Gerd Wiegel ist Politikwissenschaftler, Publizist und Referent für Rechts-extremismus/Antifaschismus der Fraktion DIE LINKE im Bundestag. Er publiziert regelmäßig zum Thema extreme Rechte in Deutschland und Europa und ist Redakteur der Vierteljahreszeitschrift Z. Zeitschrift marxistische Erneuerung.

25.8. Montagnachmittag (17.15)

Manfred Lauermann: Europa – Hegemonie durch Kultur oder durch Ökonomie? Die Gewalt der Mythen

Die unter Linken gängige Aufassung, Europa sei Magd der ökonomisch Mächtigen, ist bekannt. These ist hier , dass die poltischen Entscheidungen nur verständlich sind unter dem Diktat des geistesgeschichtlichen-symbolischen Kapitals, nicht des ökonomischen.

Texte:
Andreas Wehr: Falscher Internationalismus, in: Junge Welt 06.06.2014
Initiative: Europa neu begründen! Den Marsch in den Ruin stoppen! (2013)

Zur Person
Manfred Lauermann, Jg. 1947, ist  Soziologe und Ideenhistoriker, lebt in Hannover als Privatgelehrter (siehe auch den Personeneintrag in Wikipedia)

26.8. Dienstagvormittag (9.30)

Hans-Jürgen Bieling: Innerer Zerfall des EU-Imperiums?

Das politische Gebilde der EU lässt sich formal-institutionell recht gut als ein „postmodernes Imperium“ begreifen. Im Kontrast zu den Imperium-Theorien des politikwissenschaftlichen Mainstreams ist seine Funktonsweise aber nicht nur durch die Stabilisierungserfordernisse in der Peripherie, sondern auch durch die Tendenzen der internen wie externen kapitalistischen Expansion gekennzeichnet. Unter Krisenbedingungen können sich die hiervon erhofften Modernisierungsimpulse allerdings kaum noch entfalten, indessen sich die destruktuiven Phänomene kumulieren und den Integrationsprozess selbst unterminieren.

Texte
Hans-Jürgen Bieling(2013): Die krisenkonstitutionalistische Transformation des EU-Imperiums: zwischen autoritärer Neugründung und innerem Zerfall; in: Das Argument 55(1/2), 34-46;
Christian Joerges (2012): Recht und Politik in der Krise Europas. Die Wirkungsgeschichte einer verunglückten Konfiguration; in: Merkur 11(66), 1013-1024.

Zur Person
Hans-Jürgen Bieling: Dr. phil., Professor für Politik und Wirtschaft (Political Economy) und Wirtschaftsdidaktik am Institut für Politikwissenschaft der Eberhard Karls Universität Tübingen. Arbeitsgebiete: IPÖ, Europäische Integration, Staats-, Gesellschafts- und Politiktheorie; Neuere Veröffentlichungen: Die Globalisierungs- und Weltordnungspolitik der Europäischen Union. Wiesbaden: VS-Verlag (2010); Theorien der europäischen Integration, überarbeitete und aktualisierte 3. Auflage (hrsg. mit Marika Lerch). Wiesbaden: VS-Verlag (2012): European Financial Capitalism and the Politics of (De-)financialization, in: Competition & Change, 3/17 (2013), 283-298; Das Projekt der „Euro-Rettung“ und die Widersprüche des europäischen Krisenkonstitutionalismus, in: Zeitschrift für Internationale Beziehungen 1/20 (2013), 89-103. weitere Informationen.

26.8. Dienstagnachmittag (15.30)

Werner Rügemer: USA: ökonomische Durchdringung und politische Beherrschung Europas. Vom Marshallplan bis zum Ukraine-Konflikt.

Die EU-Eliten in Wirtschaft, Politik, Militär, Geheimdiensten und Kultur sind mit oder ohne Hintergedanken verlässlicher Juniorpartner der US- und Globaleliten. Den Kern des westlichen Kapitalismus bildet die enge eigentumsmäßige Verlfechtung zwischen US und EU. Hauptkonkurrenten und -Gegner sind die anderen kapitalistischen Hauptstaaten China und Russland, Nebenkonkurrenten und -feinde sind vielfältig. Präventive Aufstandsbekämpfung läuft u.a. unter „Kampf gegen den Terrorismus“

Texte
Rügemer, Werner, (2013) in: „Deutsches“ Kapital? Gibt es das (noch)? In: Z.Zeitschrift für marxistische Erneuerung Nr. 95, Sept. 2013, S. 160 – 171.
Ders.: Ratingagenturen. Einblicke in die Kapitalmacht der Gegenwart. Bielefeld 2013

Zur Person
Dr. Werner Rügemer, Publizist, Lehrbeauftragter an Uni Köln (Lehrstuhl Politikwissenschaft Prof. Butterwegge). Weitere Informationen: www.werner-ruegemer.de; www.arbeitsunrecht.de.

Moderation: David Salomon

26.8. Dienstagnachmittag (17.15)

Ingar Solty: Zerfall durch Illegitimisierung? Zur Frage der Tragfähigkeit des autoritären Krisenkonstitutionalismus

Die dominante Austeritätspolitik der Troika in der EU wird unbeeindruckt von der neuen Welle des Massenprotests in der EU-Peripherie fortgesetzt; selbst national gelingt es Regierungen, sich räumlich gegen diese Mobilisierung abzuschotten. Gefragt werden soll, wie haltbar die Legitimität der europäischen Eliten mit Blick auf die Durchsetzung der neuen economic governance in der EU ist.

Texte
Solty, Ingar, „Die organischen Krisen des Kapitalismus und die Demokratiefrage, in: Juridicum 1/2013, S.51-65 (Basistext)
Solty, Ingar, u. Stephen Gill, „Krise, Legitimität und die Zukunft Europas“, in: Das Argument 301/2013,
S.82-94
Solty, Ingar: Is the Global Crisis Ending the Marriage of Capitalism and Liberal Democracy?, in: Lakitsch, Maximilian: Political Power Reconsidered
, Berlin 2014, S. 161-204

Zur Person
Ingar Solty ist Politikwissenschaftler und Mitarbeiter des Drittmittelprojekts „The Question of Europe in an Era of Economic and Political Crises“ an der York University in Toronto sowie zurzeit auch Lehrbeauftragter an der Alpen-Adria-Universität in Klagenfurt. Seit 2006 ist er ferner als Redakteur bei „Das Argument: Zeitschrift für Philosophie und Sozialwissenschaften“ und auch als Fellow beim „Berliner Institut für kritische Theorie“ tätig. Letzte Buch-VÖ: „Die USA unter Obama: Charismatische Herrschaft, soziale Bewegungen und imperiale Politik in der globalen Krise“ (Argument Verlag, Hamburg 2013), „Imperialismus“ (zus. mit Frank Deppe u. David Salomon, Papy Rossa, Köln 2011). Weitere Angaben.

27.8. Mittwochnachmittag

Exkursion nach San Gimigniano. Führung von Gerd Nestler

28.8. Donnerstagvormittag (9.30)

Susanna Böhme-Kuby (Venedig) und Giorgio Riolo (Mailand) : Das Ende Italiens … wie wir es kennen.

Was Erfahrungen mit Krisen und „Zerfall“ angeht, gehört Italien zu den Spitzenreitern unter den Staaten Europas. Untersucht werden soll, was sich verändert – und was nicht, damit es so bleibt, wie es ist.

Text
Susanna Böhme-Kuby: Italien: Nicht arm, aber arm dran, in: Blätter für deutsche und internationale Politik 2/2014 S.17-20

Zur Person:
Susanna Böhme-Kuby, Publizistin und Literaturwissenschaftlerin, lebt seit Jahrzehnten in Italien (Venedig), wo sie über “Brecht in Italien” promovierte und Deutsche Literaturgeschichte lehrte. 2007 publizierte sie Zukunft der Vergangenheit in Italien und Deutschland. Sie schreibt u.a. im Freitag, den Blättern für deutsche und internationale Politik und Ossietzky.

Giorgio Riolo, Mailand, lange Zeit Leitung der Stiftung  Associazione Culturale Punto Rosso.  Übersetzung: Nicoletta Negri.

28.8. Donnerstagnachmittag (15.30)

Alexander Jordis – Lohausen: Mitteleuropa 1658-2008

Texte
Mitteleuropa 1658-2008 – Die Chronik einer Familie, Verlorenes und Vergessenes. Grin Studienarbeit 2008

Zur Person

Alexander Jordis-Lohausen war, nach fünf Jahren bei der OECD in Paris, dreissig Jahre lang bei der Chase Mandhattan, der Lloyds Bank International und beim Crédit Agricole im internationalen Bankgeschäft in New York, London, Büssel, Frankfurt am Main und Paris tätig. Er ist jetzt freier Schriftsteller, Märchenerzähler und Opernkritiker für Operapoint, Köln. Mit ihm spricht Hans-Jürgen Krysmanski (Münster/Hamburg).

29.8. Freitagvormittag (9.30)

Alex Demirovic: Möglichkeiten und Dimensionen der Demokratisierung der EU.

Es ist strittig, ob eine Demokratisierung der EU möglich ist. Positiv wird dies seit Jahrzehnten behauptet. Faktisch sind die Entwicklungen gering. Mit den neoliberalen Strategien und der Finanzkrise wurde dieser Prozess weiter erschwert. Gleichwohl gibt es solche Intellektuellen, die weiterhin an den Ausbau der Demokratie auf europäischer Ebene denken. Auch für die Linke ist dies wahrscheinlich alternativlos. Es ist deswegen darüber nachzudenken, in welchen Hinsichten und auf welche Weise solche Demokratisierungen institutionalisiert werden können. Einem schleichend sich vollziehenden neoliberalen Konstitutionalismus wäre ein demokratischer Konstitutionalismus von unten entgegenzustellen.

Texte
Alex Demirovic: Demokratie in Krisenzeiten, in: Gegenblende (2013).
Alex Demirovic, Heike Walk (Hrsg.): Demokratie und Governance. Kritische Perspektiven auf neue Formen politischer Herrschaft, Münster 2011

Zur Person
Alex Demirovic ist gegenwärtig an der Goethe-Universität Frankfurt Gastprofessor für kritische Gesellschaftstheorie. Er ist Vertrauensdozent der Rosa-Luxemburg-Stiftung und der Hans-Böckler-Stiftung, Mitglied im Beirat des Bundes demokratischer WissenschaftlerInnen und des wissenschaftlichen Beirats von Attac Deutschland, Mitglied des Vorstands der Rosa-Luxemburg-Stiftung, Mitglied der Redaktion der Zeitschrift Prokla und der Zeitschrift LuXemburg, des Wissenschaftlichen Beirats der Zeitschrift Das Argument, des Beirats der Zeitschrift Momentum Quarterly, des Editorial Advisory Board der britischen Zeitschrift Historical Materialism sowie Mitherausgeber der türkischen Zeitschrift Felsefelogos.

Moderation: David Salomon

29.8. Freitagvormittag (11.30)

Hans-Jürgen Urban: Europa neu begründen – aber wie? Über die aufgeklärte Ratlosigkeit der Linken und andere Hilflosigkeiten in Sachen Euro-Krise.

Die Dimensionen der manifesten Krise und die Konstruktionsdefizite der EU sind umfassend erforscht worden; die analytischen Wissensbestände sind profund. Europa muss neu begründet werden, soviel ist sicher. Anders verhält es sich mit Block auf problemadäquate Krisenstrategien. Hier sind praktikable Politikvorschläge Mangelware. Das gilt für Aus-, Rück- und Umbaustrategien im rechten wie im linken Lager. „Aufgeklärte Ratlosigkeit aller Orten. Was tun?

Texte
Urban, Hans-Jürgen (2011): Stabilitätsgewinn durch Demokratieverzicht? Europas Weg in den Autoritarismus, in: Blätter für deutsche und internationale Politik 07/2011 S. 77-88
Wolfgang Lemb/Hans-Jürgen Urban: Ist die Demokratie in Europa noch zu retten? in: Sozialismus – Supplement 4/2014 Ist Europa noch zu retten? S.42-55

Ergänzend:
H. J. Urban (2013): Der Tiger und seine Dompteur. Wohlfahrtsstaaten und Gewerkschaften im Gegenwartskapitalismus. Hamburg 2013, (Kapitel 3 Europa: Zwischen autoritärer Austerität und sozialökonomischem Pferdwechsel S. 121-158.)
Blätter für deutsche und internationale Politik (2013): Kapitalismus oder Demokratie? Europa in der Krise. Berlin 2013.

Zur Person
Hans-Jürgen Urban, Dr. phil., ist Geschäftsführendes Vorstandsmitglied der IG Metall, zuständig für Sozialpolitik, Gesundheitsschutz und Arbeitsgestaltung. Weitere Arbeitsschwerpunkte: Sozialstaatsforschung, Gewerkschaftsforschung, Gesundheitspolitik, Arbeitspolitik. Mail: Hans-Juergen.Urban@igmetall.de. (Weitere Informationen)

Hinweis: Die Texte liegen als .pdf–Dateien vor oder es gibt Verweise auf externe Quellen im Netz. Sie werden ausschließlich zur Verwendung im Zusammenhang mit dem  Seminar zur Verfügung gestellt!

 

 


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